DIE KRAFWERKSKETTE PLANSEE
Wir, die Elektrizitätswerke Reutte betreiben vom Roltech bis zum Kniepass sechs Wasserkraftwerke und ein Pumpspeicherkraftwerk, die das Wasser mehrfach nutzen und so einen hohen regionalen Beitrag zur erneuerbaren Stromerzeugung leisten. Mit dem Projekt Optimierung Kraftwerkskette Plansee (kurz OKP) investieren wir in die Zukunft der regionalen Energieversorgung. Ziel ist es, die Kraftwerkskette Plansee ökologisch, energiewirtschaftlich und sicherheitstechnisch zu optimieren – für mehr erneuerbare Energie, höhere Versorgungssicherheit und eine nachhaltige Entwicklung der Region. Das Gesamtprojekt OKP befindet sich derzeit noch in der Planungsphase und vor Einreichung bei den relevanten Behörden. Selbstverständlich sind wir mit relevanten Stakeholdern aus der Region im regelmäßigen Austausch und werden zur gegebenen Zeit auch die lokale Bevölkerung einbinden und informieren.

WAS WIRD BEIM OKP-PROJEKT GEMACHT?
Mit der Optimierung der gesamten Kraftwerkskette Plansee (kurz OKP) planen wir in den kommenden 10 Jahren mehr als 70 Millionen Euro in die Optimierung der Energieversorgung und der -sicherheit für die Bevölkerung im Außerfern zu investieren. Investitionen in die Ökologie und Energiesicherheit. Für die Region. Aus der Region. Das Gesamtprojekt OKP gliedert sich dabei in folgende 5 Teilprojekte, die Schritt für Schritt projektiert werden:
VORTEILE IM ÜBERBLICK
ÖKOLOGISCHE
OPTIMIERUNG
Die Gewässer der gesamten Kraftwerkskette Plansee werden ökologisch optimiert, inklusive Fischdurchgängigkeit bei der Sohlrampe und Optimierung Hochwasserschutz.
OPTIMIERUNG
ENERGIEGEWINNUNG
Durch die Mehrfachnutzung der Wasserzugabe entlang der ganzen Kette kann über Bestandsanlagen ca. 25 GWh zusätzliche erneurbare Energie erzeugt werden.
VERBESSERTE
SPEICHERNUTZUNG
Durch die Nutzung zusätzlichen Wassers kann der Speicher noch effizienter genutzt werden und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Speicherung erneuerbarer Energien.
ANLAGEN- UND
HOCHWASSERSICHERHEIT
Im Zuge des Projektes werden wesentliche Projekte zur technischen Anlagenoptimierung und bei der Seesperre auch die Hochwassersicherheit ausgebaut.
WAS SIND DIE NÄCHSTEN SCHRITTE?
Die Optimierung der Kraftwerkskette Plansee umfasst mehrere Teilbereiche, die in zeitlich getrennten Projekten umgesetzt werden. In den kommenden 10 Jahren sollen diese – nach erfolgter Detailplanung und Genehmigung – Schritt für Schritt realisiert werden. Den Anfang machen dabei die beiden Projekte „Hochwasserschutz KW Seesperre“ und „Optimierung Rotlech“. Das Projekt “Optimierung Rotlech” wurde Ende 2025 bei den zuständigen Behörden zur Genehmigung eingereicht.

TEILPROJEKT
OPTIMIERUNG ROTLECH
Im Rahmen des Projekts ist die Errichtung einer neuen Wasserfassung am Namlosbach vorgesehen. Ein Teil der Wassermenge soll künftig über einen Überleitungsstollen in das Liegfeisttal geführt werden, wo ein Zwischenkraftwerk geplant ist. Von dort ist geplant, das Wasser über den bestehenden Liegfeiststollen in den Rotlechspeicher zu führen. Zusätzlich ist ein Restwasserkraftwerk am Rotlechspeicher vorgesehen, um das ökologische und energetische Potenzial optimal nutzen zu können. Die folgende Darstellung zeigt die geplante Verortung der Wasserfassung, des Zwischenkraftwerks Liegfeist und des neu zu errichtenden Überleitungsstollens. Da sich das Projekt noch in der Planungsphase befindet, können derzeit jedoch keine exakten Angaben zur genauen Lage gemacht werden (schematische Darstellung).

TIROL 2050 ENERGIEAUTONOM
Mit der Landesstrategie „Tirol 2050 energieautonom“ verfolgt Tirol das Ziel, bis 2050 den gesamten Energiebedarf aus erneuerbaren Quellen zu decken. Einerseits soll der Energieverbrauch durch mehr Effizienz und Einsparungen reduziert werden, andererseits wird der verbleibende Bedarf Schritt für Schritt durch erneuerbare Energieträger ersetzt. Mit dem Projekt OKP erzeugen wir zusätzliche erneuerbare Energie und zahlen direkt auf dieses Ziel ein.
WIR FÜR DIE ENERGIEWENDE
Das Projekt OKP ist ein wichtiger Beitrag zur Strategie „Tirol 2050 energieautonom“ und unterstützt die Umsetzung der Energiewende. Pumpspeicherwerke wie der Rotlech spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie überschüssige Energie aus Photovoltaik und Wind speichern und so zur Stabilität der regionalen Stromversorgung beitragen. Gleichzeitig leistet das Projekt einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz, indem jährlich rund 21.000 Tonnen CO₂ eingespart werden. Es dient dem öffentlichen Interesse am Ausbau erneuerbarer Energien und folgt damit dem Ziel der Klimaneutralität, REPowerEUund RED III. Zudem sind die Kraftwerksanlagen inselbetriebsfähig und erhöhen damit die Unabhängigkeit der Region – auch gegenüber weltpolitischen Veränderungen. Wir stellen uns der Aufgabe der Energiewende mit voller Überzeugung und arbeiten mit dem Projekt OKP daran, die regionale und nachhaltige Energieerzeugung naturverträglich auszubauen – für unsere Heimat und kommende Generationen.

ANTWORTEN ZU DEN FRAGEN
DER BÜRGERINITIATIVE NAMLOSBACH
Die Elektrizitätswerke Reutte tragen als regionaler Energieversorger Verantwortung für eine langfristig sichere, nachhaltige und möglichst unabhängige Energieversorgung der Region. Mit der Optimierung der Kraftwerkskette Plansee wollen wir deshalb bestehende Anlagen und regionale Ressourcen bestmöglich nutzen und gleichzeitig ökologische Verbesserungen an bestehenden Gewässerstrecken umsetzen.
Mit dem eingereichten Projekt können jährlich ca. 25 GWh zusätzliche erneuerbare und speicherbare Energie erzeugt werden. Das entspricht einer Erhöhung der Speicherenergie der Eigenerzeugung im Bezirk um ca. 22 %. Gerade die Speicher- und Steuerbarkeit ist für ein zunehmend von schwankenden erneuerbaren Energiequellen geprägtes Energiesystem von besonderer Bedeutung: Energie muss nicht nur erneuerbar erzeugt werden, sondern auch dann zur Verfügung stehen, wenn sie tatsächlich benötigt wird.
Wie wichtig genau diese Kombination aus heimischer erneuerbarer Energie und Speicherfähigkeit ist, hat die Tiroler Landesregierung bei ihrer Regierungsklausur im September 2026 erneut unterstrichen. Das aktualisierte Zielszenario für „TIROL 2050 energieautonom“ sieht vor, die heimische erneuerbare Energieerzeugung bis 2050 um 50 % auszubauen und gleichzeitig den Endenergiebedarf gegenüber 2024 um 30 % zu reduzieren. Dafür ist nach Angaben des Landes unter anderem ein Ausbau der Wasserkraft um rund 25 % notwendig. Wasserkraft soll auch künftig das Rückgrat der Tiroler Stromversorgung bilden. Gleichzeitig hebt das Land die wachsende Bedeutung von Speicherkapazitäten hervor. Insbesondere Stauseen werden dabei als Speichertechnologie im großen Maßstab gesehen, die Stromnetze entlasten und stabilisieren kann.
Die vergangenen Jahre haben zugleich gezeigt, wie abhängig unsere Energieversorgung von internationalen Märkten und geopolitischen Entwicklungen ist. Steigende Preise für Strom, Gas oder Treibstoffe machen diese Abhängigkeit unmittelbar spürbar. Umso wichtiger ist es, heimische erneuerbare Energie dort verantwortungsvoll zu nutzen, wo sie zur Verfügung steht.
Die Optimierung der Kraftwerkskette Plansee setzt genau an dieser Herausforderung an: Sie verbindet zusätzliche heimische Stromerzeugung mit der Möglichkeit, erneuerbare Energie zu speichern und bedarfsgerecht verfügbar zu machen. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Versorgungssicherheit im Außerfern, zur stärkeren Nutzung heimischer erneuerbarer Energie, zur Verringerung der Abhängigkeit von Energieimporten und zum Ziel „TIROL 2050 energieautonom“.
Dabei geht es nicht um die Errichtung eines neuen Großkraftwerks oder eines neuen Kraftwerks am Lech, sondern um die Optimierung einer bestehenden Kraftwerkskette und die bessere Nutzung bereits vorhandener Infrastruktur. Das Gesamtprojekt besteht aus fünf Teilprojekten und verbindet die zusätzliche Erzeugung erneuerbarer und speicherbarer Energie mit Maßnahmen zur ökologischen Verbesserung bestehender Gewässerstrecken, zur Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit und zum Hochwasserschutz.
Der Naturraum Tiroler Lech hat für die Region und für die EWR eine besondere Bedeutung. Zu seinem Schutz und seinem Status als Naturpark und Natura-2000-Gebiet bekennen wir uns ausdrücklich. Deshalb wurden die möglichen Auswirkungen des Projekts umfassend untersucht. Die eingereichten Projektunterlagen und Fachuntersuchungen werden im laufenden Genehmigungsverfahren von den zuständigen Behörden und deren Sachverständigen geprüft. Die Entscheidung über die Genehmigungsfähigkeit des Projekts liegt bei den zuständigen Behörden.
Wir sind überzeugt, dass die Energiewende nur gelingen kann, wenn unterschiedliche Interessen sachlich gegeneinander abgewogen werden: Versorgungssicherheit, regionale Energieerzeugung und Speicherfähigkeit ebenso wie Natur- und Gewässerschutz. Kritische Fragen zu einem Projekt dieser Größenordnung sind daher legitim. Entscheidend ist, sie auf Grundlage von Fakten, Projektdaten und fachlichen Untersuchungen zu beantworten.
In diesem Sinne beantworten wir nachfolgend die an uns gerichteten Fragen zur Optimierung der Kraftwerkskette Plansee.
1) RESTWASSER IN STANZACH: Im August 2026 wurde an der Messstelle Stanzach wiederholt ein Wasserstand von 30 cm angegeben. Tatsächlich sind es ca. 20 cm, da der Nullpunkt ca. 10 cm tief im Schotter liegt (PNP). Wie der Sommer 2026 zeigt, versiegen in Niederwasserphasen die Zubringer unterhalb der Entnahmestelle nahezu. Diese Faktoren berücksichtigend, wieviel von diesen 20 cm bleiben bei Niederwasser im August an der Messstation Stanzach nach der geplanten Ableitung übrig?
Eine seriöse Umrechnung in verbleibende Zentimeter ist nicht möglich; entscheidend ist die Abflussmenge in l/s bzw. m³/s. In Stanzach verbleiben im Jahresmittel ca. 50 % des Wasserdargebots im Namlosbach. Im August gilt zB. an der Wasserfassung zusätzlich ein Sockelbetrag von 300 l/s: Wird dieser erreicht bzw. unterschritten, wird kein Wasser eingezogen und 100 % des ankommenden Wassers bleiben im Bach.
Das Projekt sieht vor, dass an der Brücke in Stanzach ca. 50 % des Wasserdargebots im Namlosbach verbleiben. An der geplanten Wasserfassung sind neben einer dynamischen Wasserabgabe jahreszeitlich abhängige Sockelbeträge vorgesehen. Wird ein Sockelbetrag erreicht, wird die Wasserfassung außer Betrieb genommen. Im August beträgt dieser Sockelbetrag z.B. 300 l/s. Wenn der natürliche Zufluss also 300l/s beträgt, wird an der Wasserfassung kein Wasser eingezogen und das gesamte ankommende Wasser verbleibt im Namlosbach (100 % im Bach).
Die Frage zu den Pegelständen lässt sich nicht seriös mit einer bestimmten verbleibenden Wasserhöhe in Zentimeter beantworten. In der Hydrologie werden für diese Beurteilung die tatsächlichen Abflussmengen in m3/s bzw. l/s herangezogen. Der Wasserstand in Zentimeter hängt unter anderem vom jeweiligen Gewässerprofil ab.
Zur angesprochenen Messstelle ist festzuhalten: Die Messstelle Stanzach ist redundant aufgebaut. Neben der Pegelsonde werden eine Radarsonde in Kombination mit einer Ultraschallsonde eingesetzt. Für die hydrologische Beurteilung werden die Abflusswerte in m3/s herangezogen. Die Messdaten werden vom hydrologischen Dienst Tirol geprüft. Diese Daten sind über eHYD, den öffentlichen Zugang zu hydrographischen Daten Österreichs, transparent einsehbar. Für die Projektplanung greift EWR damit auf plausibilisierte hydrologische Datengrundlage zurück.
2) GARANTIERTE RESTWASSERMENGE. Sie sagten öffentlich mehrmals und haben dies bei späteren Pressemitteilungen nie korrigiert, dass sie lediglich „50 Prozent des Namlosbaches in die Kraftwerkskette Plansee überleiten wollen“ (z.B. Tiroler Tageszeitung 25.07.2025). Der WWF sagt, tatsächlich würden an der Ausleitungsstelle bis zu 80% des Namlosbaches in den Stollen übergeleitet und nur 20% an Restwasser verbleiben. Wieviel Prozent der ankommenden Wassermenge soll an der Ausleitungsstelle tatsächlich jahresdurchgängig in den neuen Stollen übergeleitet werden und welche Restwassermenge in m3/s ist für die Ausleitungsstrecke garantiert (speziell in den Wintermonaten)?
An der Wasserfassung verbleiben ganzjährig mindestens 20 % des ankommenden Wassers im Namlosbach; zusätzlich gelten je nach Jahreszeit Sockelbeträge von 250 bis 600 l/s. Ist der natürliche Zufluss geringer als der jeweilige Sockelbetrag, wird kein Wasser eingezogen. Durch das 20,7 km² große Zwischeneinzugsgebiet steigt die Wasserführung bis Stanzach wieder an: Dort verbleiben im Jahresmittel ca. 50 %, im Winter bis zu 70 % des Wasserdargebots. Dabei handelt es sich um den eingereichten Dotierwasservorschlag, der von der Behörde geprüft wird.
Hier müssen zwei unterschiedliche Bezugspunkte als Messstellen auseinandergehalten werden: die geplante Wasserfassung unterhalb von Namlos, und die Brücke in Stanzach. Die von den EWR kommunizierten ca. 50 % beziehen sich auf die Wassermenge, die im Jahresmittel an der Brücke in Stanzach im Namlosbach verbleibt. Dazu wurden Foto- und Videoaufnahmen mit den jeweiligen Pegelwerten erstellt und in Vorher-Nachher-Vergleichen gegenübergestellt, um die Unterschiede auch visuell nachvollziehbar zu machen.
An der geplanten Wasserfassung ist die Entnahme dynamisch vom tatsächlichen Zufluss abhängig und somit jede Stunde unterschiedlich: Der eingereichte Dotierwasservorschlag sieht vor, dass jahresdurchgängig mindestens 20 % der ankommenden Wassermenge am Standort Wasserfassung im Namlosbach verbleiben. Zusätzlich gelten jahreszeitlich abhängige Sockelbeträge an der Wasserfassung: mindestens 250 l/s von Oktober bis März, 300 l/s im April, August und September sowie 600 l/s von Mai bis Juli. Ist der natürliche Zufluss zur Wasserfassung geringer als der jeweils vorgesehene Sockelbetrag, wird an der Wasserfassung kein Wasser eingezogen und das gesamte ankommende Wasser verbleibt im Namlosbach.
Die Restwassermenge wird damit an den natürlichen jährlichen Abfluss des Namlosbaches angepasst. Um die natürliche Dynamik des Namlosbaches aufrechtzuerhalten, verbleiben zudem auch gewässerbettbildende Hochwässer im Namlosbach. Als Grundlage für den Dotierwasservorschlag wurden neben der Qualitätszielverordnung Ökologie OG (§ 13) auch die hydrologischen Verhältnisse im Namlosbach herangezogen.
Entscheidend ist zudem die Betrachtung des gesamten Gewässerverlaufs: Was an der Wasserfassung prozentual hoch erscheint, relativiert sich entlang des Namlosbaches aufgrund des sehr großen Zwischeneinzugsgebiets von rund 20,7 km² deutlich. Zwischen der Wasserfassung und Stanzach vergrößert sich daher die Wassermenge im Namlosbach wieder. Im Jahresmittel verbleiben deshalb an der Brücke in Stanzach ca. 50 % des Wasserdargebots im Namlosbach.
Für die speziell angesprochenen Wintermonate Oktober bis März sieht der eingereichte Dotierwasservorschlag an der Wasserfassung hohe Sockelbeträge von mindestens 250 l/s bzw. 0,25 m3/s vor. Dadurch erhöht sich das in Stanzach verbleibende Wasser im Winter auf bis zu 70%. Festzuhalten ist, dass es sich dabei um den von EWR eingereichten Dotierwasservorschlag handelt, der im Genehmigungsverfahren von der zuständigen Behörde geprüft wird.
3) NAMLOSBACH ALS BAUERNOPFER: Sie sind gem. NGP 2021 ab 2027 verpflichtet, Restwasser am Liegfeistbach, Rotlech und Archbach abzugeben und zwar zumindest im Umfang des niedersten natürlichen Tagesniederwasser (NQt). Wir gehen davon aus, dass Sie an diese drei Bäche in Summe mehr als 1 m3/s Restwasser abzugeben haben. In den typischen Niederwasserphasen JAN-MÄRZ und OKT-DEZ würden Sie durchschnittlich ca. 1,25 m3/s in den Rotlechspeicher ableiten (Datengrundlage Hydro Tirol 2022). Was antworten Sie, wenn Ihnen vorgeworfen wird, dass die Ableitung des Namlosbaches in erster Linie dem Ausgleich Ihres Verlustes dienen soll, der Namlosbach also ein „Bauernopfer“ ist?
Nein, der Namlosbach ist kein „Bauernopfer“, sondern Kern des Projekts. Aktuell besteht keine wasserrechtliche Verpflichtung der EWR zur zusätzlichen Restwasserabgabe am Rotlech oder Archbach. Durch die Beileitung des Namlosbaches entstehen ca. 25 GWh zusätzliche erneuerbare und speicherbare Energie pro Jahr. Die vorgesehenen Restwasserabgaben und die daraus entstehenden Mindererzeugungen sind in dieser Energiebilanz bereits berücksichtigt.
Nein, der Namlosbach ist kein „Bauernopfer“ sondern Kern des Projekts. Es gibt aktuell keine wasserrechtliche Verpflichtung für die EWR zur Abgabe von zusätzlichem Restwasser – weder am Rotlech noch am Archbach. Der Nationale Gewässerbewirtschaftungsplan ist ein Planungsinstrument. Die im Rahmen des Projekts vorgesehenen Dotierungen sind vorausschauend geplante Maßnahmen zur ökologischen Verbesserung der bestehenden Kraftwerkskette.
Der Namlosbach ist daher auch kein „Bauernopfer“, um verpflichtende Wasserverluste an anderer Stelle auszugleichen. Kern des Projekts ist die zusätzliche Erzeugung von ca. 25 GWh erneuerbarer und speicherbarer Energie pro Jahr. In dieser Berechnung sind die vorgesehenen Restwasserabgaben und die daraus entstehenden Mindererzeugungen bereits berücksichtigt. Die Mindererzeugung bei den bestehenden Kraftwerken Reutte und Höfen beträgt 0,168 GWh und ist ebenfalls bereits abgezogen.
Gleichzeitig werden mit dem Gesamtprojekt ökologische Verbesserungen an bestehenden Gewässerstrecken umgesetzt. Die dafür vorgesehenen Dotierwassermengen wurden auf Basis der Qualitätszielverordnung Ökologie Oberflächegewässer, der hydrologischen Verhältnisse sowie entsprechender Untersuchungen und Dotationsversuche entwickelt.
Die Darstellung, der Namlosbach werde hauptsächlich dazu herangezogen, verpflichtende Wasserverluste an anderen Gewässern auszugleichen, entspricht damit nicht den Grundlagen und der Energiebilanz des eingereichten Projekts.
4) 25 GIGAWATTSTUNDEN PRO JAHR: Sie argumentieren öffentlich, dass „… das Wasser des Namlosbaches zusätzliche 25 Gigawattstunden Strom bringen“ könnte (Tiroler Tageszeitung 25.07.2025 und Ihre eigene Präsentation auf der Folie mit Überschrift „Eckpunkte Optimierung Rotlech“ vom 24.07.2025).
4a. Am Ende des Stollens vom Namlosbach zum Liegfeistbach soll ein neues Kraftwerk mit lediglich 1,7 MW/h an Engpassleistung entstehen.
Die Engpassleistung des neuen Zwischenkraftwerks Liegfeist beträgt 1,7 MW. Das Wasser des Namlosbaches wird anschließend in den weiteren Kraftwerksstufen erneut energetisch genutzt. Über die gesamte Kraftwerkskette entstehen dadurch ca. 25 GWh zusätzliche erneuerbare und speicherbare Energie pro Jahr. Ohne Beileitung des Namlosbaches steht keine zusätzliche Energie in den Speichern zur Verfügung.
Die Engpassleistung des neuen Zwischenkraftwerks Liegfeist beträgt 1,7 MW, nicht 1,7 MW/h. Die Engpassleistung [MW] ist die Maximalleistung eines Generators und ist nicht gleichzusetzen mit der Arbeit, welche erzeugt wird. Arbeit = Leistung x Zeit.
Entscheidend ist aber: Ohne Beileitung des Namlosbaches steht keine zusätzliche Energie in den Speichern zur Verfügung. Nur mit diesem Projekt kann in Kombination mit der Gesamtoptimierung der Kraftwerkskette Plansee jährlich ca. 25 GWh zusätzliche erneuerbare und speicherbare Energie erzeugt werden. Das entspricht einer Erhöhung der Speicherenergie der Eigenerzeugung im Bezirk von ca. 22 %. Das Wasser des Namlosbaches wird dabei nicht nur im Zwischenkraftwerk Liegfeist genutzt, sondern anschließend auch in den bestehenden Unterliegerstufen der Kraftwerkskette.
4b. Danach dient der Namlosbach als Spender für die nun gesetzlich vorgeschriebene Restwasserabgabe an Rotlech, Liegfeistbach und Archbach (Tiroler Tageszeitung 25.07.2025: „Erstmals würde als ökologische Spende der Rotlechunterlauf, unterhalb der Staumauer, mit Wasser aus dem Namlosbach dotiert werden.“)
Der Begriff „ökologische Spende“ stammt nicht aus der Kommunikation der EWR. Für den Rotlech wurde auf Basis ökologischer Untersuchungen und Dotationsversuche ein Konzept entwickelt, das die ökologisch sinnvolle Dotierwassermenge, die Sicherheit der Talsperre und die energetische Nutzung der Restwasserabgabe berücksichtigt. Das Konzept wurde in einer Vorprüfung von den technischen Sachverständigen als sinnvoll und zielführend bezeichnet.
Der Begriff ‚ökologische Spende‘ entstammt nicht unserer Kommunikation. Die EWR haben den Rotlech gründlichen ökologischen Untersuchungen unterzogen und ein Dotationskonzept ausgearbeitet. Dieses berücksichtigt die ökologisch sinnvolle Dotationswassermenge, ermittelt über Dotationsversuche, die Sicherheit der großen Talsperre Rotlech sowie die energetische Nutzung der Restwasserabgabe. Dieses Konzept wurde in einer Vorprüfung von den technischen Sachverständigen als sinnvoll und zielführend bezeichnet.
4c. Die Aussage, dass durch die Umleitung des Namlosbaches 25 GW/h an zusätzlichem Strom erzeugt werden, stimmt wohl nicht. Erstens kommt ein großer Teil der genannten 25 GW/h aus der Modernisierung der bestehenden Plansee-Kraftwerkskette und zweitens wird der Namlosbach bereits jetzt fünfmal für Stromerzeugung genutzt (KW Höfen, KW Reutte I und Reutte II, KW Kniepass und KW Weißhaus). Drei bisherige Nutzungen würden durch die Umleitung des Namlosbaches verloren gehen (KW Höfen, KW Reutte I/II)!
Die ca. 25 GWh speicherbare Energie entstehen durch die Beileitung des Namlosbaches und nicht durch die Modernisierung der bestehenden Kraftwerke. Die Mindererzeugung bei Reutte und Höfen beträgt lediglich 0,168 GWh und ist darin bereits abgezogen; Weißhaus und Kniepass bleiben unverändert. Das zusätzliche Wasser in den Speichern stärkt darüber hinaus die Möglichkeiten für Schwarzstart und Inselbetrieb.
Selbstverständlich stimmt diese von uns getroffene Aussage. Die Behauptung, dass ein großer Teil der genannten ca. 25 GWh aus der Modernisierung bestehender Kraftwerke stammt, ist nicht richtig. Die Optimierung Kraftwerkskette Plansee besteht aus fünf Teilprojekten, wobei nur Teilprojekt 1 – Optimierung Rotlech mit Namlosbachbeileitung – zu der genannten Steigerung der Energieerzeugung um ca. 25 GWh führt. Ohne die Beileitung des Namlosbaches wird keine zusätzliche Energie erzeugt.
Die Teilprojekte 2–5 dienen dem Hochwasserschutz, ökologischen Verbesserungen und Anlagenmodernisierungen (u.a. bessere Verfügbarkeit und Regelleistungsfähigkeit).
Die zusätzliche Stromerzeugung durch die Beileitung des Namlosbaches beträgt ca. 25 GWh. Die Verluste durch die Restwasserabgabe Rotlech und Liegfeist sind dabei bereits berücksichtigt.
Auch die Auswirkungen auf die bestehende Stromerzeugung wurden bereits eingerechnet. Die Mindererzeugung bei der Kraftwerksanlage Reutte, also KW Reutte + KW Höfen, beträgt 0,168 GWh und wurde bei den ca. 25 GWh bereits abgezogen. Die Erzeugung in den Kraftwerken Weißhaus und Kniepass bleibt unverändert, weil die Rückgabe der Archbachkette in den Lech oberhalb dieser Kraftwerke erfolgt.
Ein wichtiger Aspekt ist dabei auch die Schwarzstartfähigkeit der Kraftwerkskette Plansee, also die Möglichkeit, die Kraftwerke unabhängig vom Stromnetz wieder in Betrieb zu nehmen. Im Falle eines Blackouts oder einer großflächigen Störung, beispielsweise infolge einer Lawine, kann mit der Kraftwerkskette ein Inselbetrieb aufgenommen werden.
4d. Daher unsere Fragen: Wieviel der kolportierten 25 GW/h kommen aus der Optimierung der Kraftwerkskette und zwar ohne Namlosbach? Wieviel an bestehender Stromerzeugung verlieren Sie dadurch, dass der Namlosbach in den KW Höfen, Reutte I und II nicht mehr für die Stromerzeugung genutzt werden könnte?
Ohne die Beileitung des Namlosbaches entstehen 0 GWh zusätzliche Energie. Mit der Beileitung sind es ca. 25 GWh pro Jahr. Die Mindererzeugung bei Reutte und Höfen beträgt 0,168 GWh und ist in den ca. 25 GWh bereits berücksichtigt und abgezogen.
Die gesamten ca. 25 GWh zusätzliche erneuerbare und speicherbare Energie entstehen durch die Beileitung des Namlosbaches. Ohne die Beileitung des Namlosbaches wird durch die Optimierung der Kraftwerkskette keine zusätzliche Energie erzeugt.
Die Mindererzeugung bei der Kraftwerksanlage Reutte, also KW Reutte + KW Höfen, beträgt 0,168 GWh. Diese Mindererzeugung ist bei den ca. 25 GWh bereits berücksichtigt und abgezogen. Sie darf daher nicht nochmals von den ca. 25 GWh abgezogen werden. Der geringe Beitrag zur Stromerzeugung beim KW Reutte zeigt auch die minimale Auswirkung der Wasserentnahme am Lech.
5) VERBESSERUNGSGEBOT EU-WASSERRAHMENRICHTLINIE: Der untere Teil des Namlosbaches ist nur in einem „mäßigen“ ökologischen Zustand. Nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie sind Sie verpflichtet, diesen Zustand zumindest auf „gut“ zu verbessern. Wie wollen Sie dieses Verbesserungsgebot erfüllen, wenn Sie gleichzeitig oberhalb einen erheblichen Teil des Wassers ausleiten?
Der mäßige ökologische Zustand des Namlosbachs im Unterlauf ist auf die bestehende harte Verbauung zum Hochwasserschutz und ein künstliches Wanderhindernis im Mündungsbereich zurückzuführen – nicht auf das geplante Projekt. Entscheidend für das Erreichen des guten ökologischen Zustands sind insbesondere die Durchgängigkeit und die Vernetzung mit dem Lech. Diese Verbesserungsmaßnahmen werden durch das Projekt nicht verhindert und sind derzeit durch das Wasserbauamt in Planung.
Das Vorhaben steht nicht im Widerspruch zum Verbesserungsgebot laut Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und § 30a WRG 1959. Die zur Erreichung der Bewirtschaftungsziele vorgesehenen Maßnahmen werden durch das Projekt nicht behindert.
Aktuelle gewässerökologische Untersuchungen aus den Jahren 2024/2025 zeigen für den Detailwasserkörper DWK 301650003, in der Fragestellung als unterer Abschnitt des Namlosbaches bezeichnet, einen mäßigen ökologischen Zustand aufgrund der Qualitätskomponente Fische.
Entscheidend ist dabei die Ursache für diesen mäßigen Zustand: Der mäßige fischökologische Zustand ist auf die stark verbaute Fließstrecke im Unterlauf, die dem Hochwasserschutz dient, sowie auf ein künstliches Wanderhindernis im Mündungsbereich zurückzuführen. Die geplante Beileitung des Namlosbaches ist nicht die Ursache für diese bestehende Einstufung und verhindert auch die erforderlichen Verbesserungsmaßnahmen nicht.
Für die Erreichung des guten ökologischen Zielzustandes sind insbesondere die Durchgängigkeit und die Vernetzung mit dem Lech entscheidend. Durch eine entsprechende Verbesserung können sich die Parameter Durchgängigkeit und Fische um eine Zustandsklasse verbessern und damit die Erreichung des guten ökologischen Zielzustandes ermöglichen.
Eine Auflösung der harten Verbauung im Ortsbereich ist aufgrund ihrer Funktion für den Hochwasserschutz nicht möglich. Umso entscheidender ist es, dort anzusetzen, wo eine ökologische Verbesserung möglich ist – insbesondere bei der Durchgängigkeit und der Anbindung an den Lech. Diese Maßnahmen werden durch das Projekt nicht verhindert, und sind derzeit auch in Planung durch das Wasserbauamt.
6) VERSCHLECHTERUNGSVERBOT EU-WASSERRAHMENRICHTLINIE: Der obere Teil des Namlosbaches ist in einem „sehr guten“ ökologischen Zustand. Sie versprechen öffentlich, dass sich dieser „sehr gute“ Zustand durch die Ableitung nicht verschlechtern wird. Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs liegt aber bereits dann eine Verschlechterung vor, wenn sich nur eine einzige Qualitätskomponente um eine Klasse verschlechtert. Insgesamt gibt es 12 Qualitätskomponenten. Wie können Ihre von Ihnen bezahlten Gutachter garantieren, dass sich durch die massive Wasserentnahme keine einzige dieser 12 Qualitätskomponenten verschlechtert?
Aktuelle Untersuchungen stufen den betroffenen Detailwasserkörper nicht als „sehr gut“, sondern als „gut“ ein. Die untersuchten biologischen Zustandsklassen werden durch das Projekt nicht verschlechtert. Der Wasserhaushalt verändert sich durch die Beileitung, weshalb ein ganzjähriger Basisabfluss vorgesehen ist. Die abschließende Beurteilung, ob sämtliche rechtlichen Anforderungen erfüllt sind, erfolgt durch die zuständige Behörde und deren Sachverständige.
Selbstverständlich werden die von EWR beauftragten Fachgutachter auch von EWR nach ihren Leistungen bezahlt – genauso wie auch Sie die von Ihnen beauftragten Dienstleister bezahlen. Entscheidend ist nicht, wer eine Untersuchung bezahlt, sondern ob sie fachlich nachvollziehbar und belastbar ist. Genau das wird im Genehmigungsverfahren von den Sachverständigen der zuständigen Behörde geprüft. Wir garantieren und versprechen daher nicht, sondern untersuchen und erheben die Zustände anhand von Leitfäden. Die Vollständigkeit und Plausibilität der Untersuchungen werden von den Sachverständigen der Behörde geprüft. Die abschließende Beurteilung der Genehmigungsfähigkeit erfolgt durch die zuständige Behörde.
Auch die Aussage in der Frage, der betroffene Teil des Namlosbaches befinde sich in einem „sehr guten“ ökologischen Zustand, entspricht nicht den aktuellen Untersuchungsergebnissen. Die gewässerökologischen Untersuchungen 2024/2025 zeigen für den Detailwasserkörper DWK 301650005 einen guten ökologischen Zustand. Ausschlaggebend dafür ist die Qualitätskomponente Phytobenthos (pflanzliche Organismen im Gewässer).
Die relevanten biologischen Qualitätskomponenten wurden nach den entsprechenden Leitfäden des Bundesministeriums für Land-Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) und den Vorgaben der Qualitätszielverordnung Ökologie Oberflächengewässer untersucht. Die Ergebnisse zeigen für Phytobenthos einen guten Zustand und für Makrozoobenthos einen sehr guten Zustand; bei den Fischen bleibt die Zustandsklasse erhalten. Nach den vorliegenden Untersuchungen kommt es damit zu keiner Verschlechterung der biologischen Zustandsklassen. Auch bei den allgemeinen physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten werden keine Veränderungen erwartet.
Richtig ist, dass sich durch die geplante Beileitung der Wasserhaushalt verändert, weil Wasser entnommen wird. Durch das Projekt entsteht eine Ausleitungsstrecke. Die vorgesehene Dotation stellt jedoch einen ganzjährigen Basisabfluss entsprechend den Vorgaben der Qualitätszielverordnung Ökologie Oberflächengewässer sicher. Die Auswirkungen dieser Veränderung wurden im Rahmen der fachlichen Untersuchungen betrachtet und sind Gegenstand der Prüfung durch die zuständige Behörde und deren Sachverständige.
Ob das Vorhaben den rechtlichen und fachlichen Anforderungen des Verschlechterungsverbotes entspricht, wird damit nicht von den EWR oder den von den EWR beauftragten Gutachtern entschieden. Diese Beurteilung erfolgt im Genehmigungsverfahren durch die zuständige Behörde auf Grundlage der eingereichten Untersuchungen und der Prüfung durch die Sachverständigen.
7) NATURA 2000 ERHALTUNGSZIELE: Im Ausleitungsgebiet des Namlosbaches findet sich das stärkste Tiroler Aufkommen der streng geschützten Deutschen Tamariske. Im Juli 2026 wurde das Kraftwerksprojekt Haslach (Osttirol) vom Land Tirol und vom Landesverwaltungsgericht mit folgender Begründung abgelehnt: Bei Umsetzung ist eine Beeinträchtigung des Natura-2000-Gebietes und seines Erhaltungszieles zu erwarten bzw. kann dies nicht mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen werden. Konkret gehe es etwa um den Schutz alpiner Flüsse mit einer speziellen Uferpflanze, der Deutschen Tamariske (orf.at).Nach Art. 6 Abs. 3 FFH-RL und der dazu ergangenen EuGH-Rechtsprechung sind in diesem Fall vollständige, präzise und endgültige wissenschaftliche Feststellungen erforderlich, die geeignet sind, jeden vernünftigen wissenschaftlichen Zweifel hinsichtlich einer Beeinträchtigung auszuräumen.Wurde der EuGH-Test in o.a. Sinne erfüllt und können sie daher mit ausreichender Sicherheit ausschließen, dass es durch die Ableitung des Namlosbaches keine Beeinträchtigung des Natura-2000-Gebietes betreffend Deutsche Tamariske oder anderer Erhaltungsziele des Natura-2000-Gebietes gibt?
In der Ausleitungsstrecke des Namlosbaches wurde der Lebensraumtyp der Deutschen Tamariske nicht nachgewiesen; entsprechende Vorkommen befinden sich flussabwärts am Lech. Dort beträgt die modellierte Abflussreduktion ca. 0,96 % bei NQt und maximal ca. 2,96 % beim sommerlichen Mittelwasser. Bei Hochwasserereignissen mit hohem Geschiebetransport erfolgt keine Ausleitung. Die Natura-2000-Verträglichkeitserklärung kommt auf dieser fachlichen Grundlage zum Ergebnis, dass erhebliche Beeinträchtigungen der Deutschen Tamariske und anderer Erhaltungsziele mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden können.
Im Zuge der Projektierung wurde eine Natura 2000 Verträglichkeitserklärung erstellt, welche die Auswirkungen des Projektes auf alle Schutzgüter im Natura 2000 Gebiet untersucht. Diese kommt auf Basis hydrologischer Modellierungen und ökologischer Bewertungen zum Ergebnis, dass erhebliche Auswirkungen auf die Erhaltungsziele des Natura-2000-Gebietes ausgeschlossen werden können. Die Prüfung erfolgt entsprechend Art. 6 Abs. 3 FFH-RL und umfasst auch mögliche Auswirkungen im Zusammenwirken mit anderen bekannten Plänen und Projekten Dritter.
Zur Deutschen Tamariske ist zunächst eine wesentliche Präzisierung notwendig: In der Ausleitungsstrecke des Namlosbaches wurde der Lebensraumtyp LRT 3230 – Alpine Flüsse mit Ufergehölzen von Myricaria germanica – nicht nachgewiesen. Entsprechende Vorkommen sind flussabwärts am dynamisch geprägten Lech dokumentiert und wurden im Rahmen der Natura 2000 Verträglichkeitserklärung berücksichtigt.
Die hydrologischen Modellierungen zeigen für den Lech oberhalb der Johannesbrücke (Pessimalstelle) eine Verringerung der Wasserführung von ca. 0,96 % bei NQt und maximal ca. 2,96 % beim sommerlichen Mittelwasser. Die Deutsche Tamariske ist insbesondere auf die natürliche Dynamik und regelmäßige Umlagerungsprozesse angewiesen. Bei Hochwasserereignissen mit hohem Geschiebetransport erfolgt keine Ausleitung im Namlosbach. Damit bleiben nach der vorliegenden fachlichen Beurteilung die für diese Lebensräume maßgeblichen Hochwasser-, Erosions- und Umlagerungsprozesse erhalten.
Die Natura 2000 Verträglichkeitserklärung kommt daher zum Ergebnis, dass erhebliche Beeinträchtigungen der Deutschen Tamariske sowie anderer Erhaltungsziele des Natura-2000-Gebietes mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden können.
8) FLUSSDYNAMIK UND GESCHIEBEHAUSHALT: Entzieht man dem Namlosbach sein Wasser, fehlt dieses auch flussabwärts im Lech, was die natürliche Flussdynamik und den Geschiebehaushalt beeinträchtigt. Wurden diese Auswirkungen untersucht und wenn ja, zu welchem Ergebnis kommen Ihre Gutachter konkret und mit welcher Begründung? Wurde dabei auch berücksichtigt, dass der geplante Coanda-Rechen zwar verhindern kann, dass Kies mechanisch in den Stollen gelangt, er aber nicht verhindern kann, dass eine Verringerung der Wasserführung die hydraulische Transportkapazität verändert?
Wasserführung, hydraulische Transportkapazität und Geschiebedynamik wurden untersucht. Bei den für den Geschiebetransport entscheidenden Hochwasserereignissen ist die Wasserfassung außer Betrieb. Bleiben solche natürlichen Ereignisse in trockenen Jahren aus, sind zwischen April und August fünf gezielt initiierte Hochwasserereignisse vorgesehen. Am Lech beträgt die modellierte Abflussreduktion nur ca. 0,96 bis maximal ca. 2,96 %. Die Untersuchungen kommen daher zum Ergebnis, dass die für die Wildflusslandschaft entscheidende Geschiebe- und Morphodynamik nicht beeinträchtigt wird.
Entscheidend für die Geschiebedynamik sind insbesondere Hochwasserereignisse mit hoher Schleppkraft, weil diese maßgeblich zur Umlagerung und zum Weitertransport des Geschiebes beitragen. Bei Hochwasserereignissen mit hohem Geschiebetransport ist die Wasserfassung außer Betrieb . Damit bleibt gerade bei jenen Ereignissen, die für den Geschiebetransport und die natürliche Überflutungs-, Erosions- und Umlagerungsdynamik besonders relevant sind, die natürliche Abflussführung erhalten. Oberhalb der Wasserfassung ist der Namlosbach stark mit bestehenden Wildbachverbauungen verbaut. Der geplante Coanda-Rechen weist einen Stababstand von 0,6 mm auf. Mobilisiertes Geschiebe wird bei entsprechenden Hochwasserereignissen weitertransportiert.
Auch die von Ihnen angesprochene hydraulische Transportkapazität wurde damit berücksichtigt. Für trockene Jahre, in denen im ersten Quartal ein Niederschlagsdefizit von 20 % gegenüber dem 50-jährigen Niederschlagsmittel vorliegt und größere natürliche Hochwasserereignisse ausbleiben, sind zwischen April und August fünf anthropogen initiierte Hochwasserereignisse vorgesehen (das bedeutet, die Wasserfassung wird außer Betrieb genommen). Dadurch wird eine weitgehend kontinuierliche Weitergabe des Geschiebes unterstützt.
Auch die Auswirkungen auf den Lech wurden hydrologisch modelliert. Die Abflussreduktion im untersuchten Lechabschnitt liegt abhängig vom Abflussszenario zwischen 0,96 % bei NQt und maximal 2,96 % bei sommerlicher Mittelwasserführung. Aufgrund der geringen relativen Abflussreduktion und der hohen natürlichen hydromorphologischen Dynamik sind nach der fachgutachterlichen Beurteilung Auswirkungen auf die abiotischen Standortbedingungen des Lechs vernachlässigbar.
Die vorliegenden Untersuchungen kommen daher zum Ergebnis, dass die für die Wildflusslandschaft entscheidende Geschiebe- und Morphodynamik nicht beeinträchtigt wird.
9) TRINKWASSER: Wurde untersucht, wie sich das fehlende Wasser des Namlosbaches auf die Trinkwassertiefbrunnen im Unterlauf auswirkt (z.B. Weißenbach)? Wenn ja, zu welchem Ergebnis kommen Ihre Gutachter konkret und mit welcher Begründung?
Einzelne Trinkwassertiefbrunnen wurden nicht gesondert untersucht. Hydrologisch modelliert wurden jedoch die Auswirkungen auf den Lech: Bei Niederwasser beträgt die projektbedingte Veränderung der Wasserführung ca. 0,96 % und ist damit wesentlich geringer als die natürlichen Schwankungen. Aufgrund dieser geringen Veränderung wurde kein eigenes Trinkwassergutachten erstellt.
Es wurden Hydromodellierungen am Lech durchgeführt. Diese zeigen, dass sich die projektbedingte Veränderung der Wasserführung des Lechs bei Niederwasser im Bereich von 0,96 % bewegt. Die natürlichen Schwankungen der Wasserführung des Lechs sind somit wesentlich größer als diese projektbedingte Veränderung.
Aufgrund dieser geringen projektbedingten Veränderung der Wasserführung des Lechs wurde kein eigenes Trinkwassergutachten erstellt. Eine spezifische Beurteilung einzelner Trinkwassertiefbrunnen war damit nicht Gegenstand der Projektuntersuchungen.
10) GRUNDWASSER: Wurde untersucht, wie sich die Ableitung des Namlosbaches auf die Grundwasserbildung in Stanzach auswirkt? Wenn ja, zu welchen Ergebnissen sind die von Ihnen bezahlten Gutachter konkret und mit welcher Begründung gekommen?
Eine erste Stellungnahme des BMLUK hält auf Grundlage der eingereichten Projektunterlagen fest, dass der Fachbereich Grundwasser durch das Vorhaben nicht betroffen ist. Das natürliche Niederwasser NQt in Stanzach liegt bei 354 l/s. Bei niedrigen Wasserführungen greift der vorgesehene Sockelbetrag und der Wassereinzug wird eingestellt, sodass die natürliche Niederwasserführung erhalten bleibt.
Eine erste vorliegende Stellungnahme des Bundesministeriums für Land-Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) hält fest, dass auf Grundlage der eingereichten Projektunterlagen der Fachbereich Grundwasser durch das Vorhaben nicht betroffen ist.
Für die Beurteilung relevant ist, dass durch die vorgesehenen Sockelbeträge an der Wasserfassung die natürliche Niederwasserführung des Namlosbaches in Stanzach nicht verändert wird. Das natürliche Niederwasser NQt liegt für den Beobachtungszeitraum 2001–2022 an der Pegelstelle Stanzach bei 354 l/s. Bei niedrigen Wasserführungen greifen die vorgesehenen Sockelbeträge und der Wassereinzug wird eingestellt.
Wichtig ist dabei zu erwähnen:. Die an den Pegelmessstellen erhobenen Daten werden vom hydrologischen Dienst Tirol geprüft und sind über eHYD, den öffentlichen Zugang zu hydrographischen Daten Österreichs, transparent einsehbar.
11) LÖSCHWASSER: Wurde geklärt, ob die Feuerwehr Stanzach bisher auf das Wasser des Namlosbaches zur Löschung von Bränden im Umkreis angewiesen war und wie sich die Ableitung darauf auswirkt?
Die Löschwasserversorgung wurde mit der Feuerwehr Stanzach besprochen. Primäre Löschwasserquelle ist das Hydrantensystem; zusätzlich kann weiterhin Wasser aus dem Namlosbach genutzt werden. Bei natürlichem Niederwasser von 354 l/s wird an der geplanten Fassung kein Wasser eingezogen und 100 % des Wassers bleiben im Bach. Rechnerisch entspricht diese Wassermenge rund 14 durchschnittlichen Feuerwehrpumpen mit jeweils 25 l/s. Aus Sicht der EWR ergibt sich daher keine Beeinträchtigung der Löschwasserversorgung.
Ja. Diese Frage wurde mit der Feuerwehr Stanzach im Zuge der Beantwortung des Fragenkataloges besprochen. Die primäre Löschwasserentnahme der Feuerwehr erfolgt über das Hydrantensystem. Im Falle eines Brandes in der Nähe des Namlosbaches bzw. bei einem Wassermangel im Hydrantensystem kann zusätzlich auf Wasser aus dem Namlosbach zurückgegriffen werden.
Auch diese Möglichkeit bleibt nach Umsetzung des Projekts bestehen. Das natürliche Niederwasser NQt liegt für den Beobachtungszeitraum 2001–2022 an der Pegelstelle Stanzach bei 354 l/s. Bei niedrigen Wasserführungen greifen wie beschrieben die vorgesehenen Sockelbeträge an der Wasserfassung und der Wassereinzug wird eingestellt (100 % Wasser im Bach). Gerade bei natürlichem Niederwasser wird daher kein Wasser mehr an der geplanten Fassung eingezogen und die natürliche Niederwasserführung in Stanzach bleibt erhalten.
Zur Einordnung der Größenordnung: Rechnerisch entspricht das beim natürlichen Niederwasser verbleibende Wasserdargebot einer Wassermenge für 14 durchschnittliche Feuerwehrpumpen (25l/s pro Pumpe).
Nach der Abstimmung mit der Feuerwehr und auf Basis der vorgesehenen Wasserführung ergibt sich damit aus unserer Sicht keine Beeinträchtigung der Löschwasserversorgung durch das Projekt.
12) WEITERE AUSBAUPLÄNE: Der WWF bezeichnet ihr Vorhaben als Tabubruch im Natura-2000-Gebiet (TT) und stellt in den Raum, dass im Falle einer Genehmigung weitere Kraftwerke kommen. Daher eine Frage zu ihren weiteren Ausbauplänen speziell im Lechtal. Öffentlich wurde durch den Eigentümervertreter ja bereits der Höhenbach (Holzgau) erwähnt. Welche weiteren Ausbaupläne am Lech und seinen Zubringern liegen in Ihrer Schublade?
Die EWR planen weder aktuell noch in Zukunft ein neues Kraftwerk am Lech. Die Nutzung von Seitenbächen zur Stromerzeugung ist hingegen seit über 100 Jahren Teil der regionalen Energieversorgung. Auch beim öffentlich genannten Höhenbach in Holzgau geht es nicht um ein neues Kraftwerk, sondern ausschließlich um die Modernisierung einer seit 1921 bestehenden Anlage.
Grundsätzlich möchten wir festhalten: Die EWR planen weder aktuell noch in Zukunft ein neues Kraftwerk am Lech. Die Seitenbäche des Lechs sind allerdings seit Jahrzehnten Bestandteil der regionalen Energieversorgung. Die Menschen in der Region nutzen die heimischen Gewässer seit Generationen – früher unter anderem für Mühlen und Holzdrift, heute werden zahlreiche Seitenbäche von Gemeinden und Unternehmen zur Stromerzeugung genutzt. Diese Kraftwerke speisen in das öffentliche Stromnetz ein und sind teilweise auch inselfähig.
Dazu zählen unter anderem:
KW Schretter Weißenbach
KW Vorderhornbach
KW Bschlabs
KW Boden
KW Bach
KW Kaisers, Gemeinde Kaisers
KW Platzbach, Gemeinde Gramais
KW Otterbach, Gemeinde Gramais
KW Elmen
KW Holzgau,
Auch der öffentlich angesprochene Höhenbach in Holzgau ist kein neues Kraftwerksprojekt. Dort besteht bereits seit der Elektrifizierung von Holzgau im Jahr 1921 das Kraftwerk Holzgau. Die bestehende Kraftwerksanlage soll modernisiert werden.
13) HÖHENBACH IN HOLZGAU: Was ist am Höhenbach genau geplant und wie weit fortgeschritten sind diese Pläne?
Am Höhenbach entsteht kein neues Kraftwerk. Das seit 1921 bestehende Kraftwerk Holzgau wird modernisiert: Das Krafthaus bleibt am bestehenden Standort, die Wasserfassung wird erneuert und die heute sichtbare Druckrohrleitung soll künftig im Weg verlaufen und damit nicht mehr sichtbar sein. Das Kraftwerk befindet sich derzeit im Wiederverleihungsverfahren.
Beim Höhenbach handelt es sich nicht um ein neues Kraftwerksprojekt. Das Kraftwerk Holzgau besteht bereits seit der Elektrifizierung von Holzgau im Jahr 1921, also seit 105 Jahren. Geplant ist ausschließlich die Modernisierung dieser bestehenden Kraftwerksanlage.
Dabei sollen bestehende Anlagenteile erneuert werden. Das Krafthaus bleibt am bestehenden Standort, die bestehende Wasserfassung wird erneuert und die derzeit sichtbare Druckrohrleitung soll im Sinne zur Verbesserung des Landschaftsbildes in den Weg verlegt und damit künftig nicht mehr sichtbar sein.
Das Kraftwerk Holzgau befindet sich derzeit im Wiederverleihungsverfahren. Es geht damit um die Erneuerung einer seit mehr als 100 Jahren bestehenden Kraftwerksanlage und nicht um die Errichtung eines zusätzlichen Kraftwerks am Höhenbach.
14) CO2-EMISSIONEN: Die geplanten Baumaßnahmen stellen einen massiven Eingriff in die Natur dar (Straßenbau, Bau Kraftwerk Liegfeist, Stollenbau usw.). Wie hoch sind die dadurch entstehenden CO2-Emissionen konkret?
Auch der Bau der Anlage verursacht CO₂-Emissionen. Dem steht eine langfristige Einsparung von rund 21.000 Tonnen CO₂ pro Jahr gegenüber. Wasserkraft zählt mit rund 9 g CO₂-eq/kWh über direkte und vorgelagerte Emissionen zu den CO₂-ärmsten Formen der Stromerzeugung. Die baulichen Eingriffe werden zudem durch wenige neue Wege, einen unterirdischen Stollen, eine elektrisch betriebene Tunnelbohrmaschine und die ortsnahe Verwendung des Felsaushubs reduziert. Nach Fertigstellung der Anlage sind auch die meisten Anlagenteile nicht mehr sichtbar.
Für die Einordnung der Klimawirkung der Wasserkraft liegen aktuelle Vergleichsdaten des Umweltbundesamtes vor. Demnach verursacht Wasserkraft unter Berücksichtigung direkter und vorgelagerter Emissionen rund 9 g CO₂-eq/kWh. Zum Vergleich werden für Photovoltaik 40 g CO₂-eq/kWh, und für die österreichische Stromaufbringung insgesamt 152 g CO₂-eq/kWh ausgewiesen. Wasserkraft weist damit beispielsweise gegenüber Photovoltaik einen um mehr als den Faktor vier geringeren Emissionswert auf.
Zur Studie des Umweltbundesamtes: https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/rep0989.pdf
Für das konkrete Projekt steht dem die langfristige CO₂-Wirkung gegenüber: Durch die zusätzliche Erzeugung von ca. 25 GWh erneuerbarer und speicherbarer Energie pro Jahr werden nach den vorliegenden Berechnungen jährlich rund 21.000 Tonnen CO₂ eingespart. Wasserkraftanlagen weisen zudem eine sehr lange Lebensdauer auf. Bei einer rein rechnerischen Fortschreibung über eine Betriebsdauer von 100 Jahren entspricht dies einer CO₂-Einsparung von rund 2,1 Mio. Tonnen.
Gleichzeitig wird bei der Planung darauf geachtet, die baulichen Eingriffe möglichst gering zu halten. Für das Projekt müssen nur wenige neue Wege errichtet werden. Ein wesentlicher Teil der Anlage verläuft mit dem Stollen unterirdisch, die Tunnelbohrmaschine läuft elektrisch. Der beim Stollenbau anfallende Felsaushub wird auf kurzem Weg im Liegfeisttal eingebaut und die beanspruchten Flächen werden anschließend wieder begrünt.
Dass auch die Errichtung einer Wasserkraftanlage CO₂-Emissionen verursacht, steht außer Frage. Die verfügbaren Vergleichsdaten zeigen gleichzeitig, dass Wasserkraft über ihren Lebenszyklus zu den Stromerzeugungstechnologien mit sehr niedrigen CO₂-Emissionen zählt.


